OSTEOLOGIE

 

Osteologie und Stoffwechsel

 

Die Osteologie beschäftigt sich mit den menschlichen Knochen bzw. dem Skelettsystem und seinen Krankheiten. Wir widmen uns schwerpunktmäßig der Diagnostik und Behandlung von Knochenstoffwechselerkrankungen.

Eine bekannte Knochenkrankheit ist beispielsweise die Osteoporose. Neben der Osteoporose werden auch zahlreiche weitere Erkrankungen wie die Glasknochenkrankheit (Osteogenesis imperfecta), Osteomalazie, Morbus Paget, Hyperparathyreoidismus, renale Osteopathie und Schwangerschaftsosteoporose von uns diagnostiziert und behandelt.

 

Osteoporose

 

Die Osteoporose ist eine häufige Erkrankung des Skelettsystems mit Reduktion der Knochendichte und Zerstörung der knöchernen Mikroarchitektur Sie kann bei Frauen (häufiger) als auch bei Männern (seltener) auftreten. Durch die verminderte Knochendichte kommt es zu einer massiv gesteigerten Gefahr von Knochenbrüchen sowie zur Veränderung der Körperhaltung. Die Erkrankung ist zunächst symptomlos und wird in der Regel erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt (Fraktur, Rundrücken, Größenverlust). Daher sind eine bildgebende Knochendichtemessung mittels DXA-Methode und eine laborchemische Abklärung erforderlich, um rechtzeitig eine gezielte Therapie einzuleiten. Unsere Knochen werden ständig vom Körper erneuert. Dies geschieht im Gleichgewicht: Pro Jahr werden 10 % unserer Knochensubstanz ausgetauscht. Zwei Arten von Zellen sind hieran beteiligt. Osteoblasten bauen Knochensubstanz auf und Osteoklasten entfernen alte Substanz. Diese Vorgänge werden durch Hormone kontrolliert. Außerdem sind Vitamin D sowie Calcium hierfür unerlässlich. Ist allerdings das Gleichgewicht zwischen Neubildung und Abbau gestört, kommt es zu einer Verminderung der Knochensubstanz und die Knochen werden instabil und brüchig. 

 

Risikofaktoren, welche zu Osteoporose führen können:

  • Veränderungen des Hormonhaushaltes (Wechseljahre) 

  • sehr schlanker Körperbau, Untergewicht, Essstörungen

  • wenig körperliche Bewegung

  • Erkrankungen der Schilddrüse

  • Nieren- und Darmerkrankungen

  • Tumorerkrankungen

  • medikamentöse Behandlung (z.B. systemische Cortisol-Behandlung)

  • zu wenig Calcium und Vitamin D in der Ernährung

  • Zigaretten- und Alkoholkonsum

  • familiär häufig auftretende Osteoporose (genetische Ursachen)

Eine regelmäßige Analyse des Knochenstoffwechsels kann der Osteoporose vorbeugen, denn bei frühzeitiger Erkennung kann dem Abbau von Knochensubstanz und damit der Entstehung von Osteoporose entgegengewirkt werden.

 

Morbus Paget 

Morbus Paget (Osteitis deformans, Osteodystrophia deformans) ist eine Erkrankung des Knochens, bei der es allmählich zu einer Verdickung und Aufwulstung mehrerer Knochen, meist Wirbelsäule, Becken, Extremitäten oder Schädel kommt. Es handelt sich um eine chronische, langsam fortschreitende Krankheit, an der hauptsächlich ältere Menschen leiden. Sie beginnt als entzündlicher Prozess in einem oder (meistens) mehreren Knochen und ist zu diesem Zeitpunkt schmerzhaft. Kennzeichnend ist ein rascher Verfall und Umbau der Knochen. Am Beginn der Krankheitsentwicklung steht eine gesteigerte Aktivität der knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten). Daraufhin folgen dann ungeordnete Anbauvorgänge, wobei die neue Knochenmasse verformt und brüchig ist. Bildgebende Maßnahmen, wie Szintigraphie und Röntgen sind angeraten. Im weiteren Verlauf geht die Entzündung zurück und hinterlässt eine dichte, aber unregelmäßige Sklerosierung (kalkreiche Verdichtung) des Knochens, oft auch Deformierungen, druckbedingte Verbiegungen und Auftreibungen der befallenen Skelettelemente, wie eine Wirbelsäulenverkrümmung, einen gewölbter Brustkorb und eine Krümmung der Beine. Bei einer Verdickung der Knochen der Lendenwirbelsäule können Ischiasschmerzen auftreten, die bis ins Bein ausstrahlen (Wurzelkompressionssyndrom). 

Die Krankheitsursache ist nicht sicher bekannt; neuere Forschungen weisen auf genetische Ursachen oder eine Virusinfektion hin. In der Regel geht diese Erkrankung mit Symptomen wie heftigen, lokalen Schmerzen des befallenen Knochens, Knochenverbiegungen, Knochenbrüchen der langen Röhrenknochen und Überwärmung der angrenzenden Hautabschnitte einher. Morbus Paget kurbelt den Knochenstoffwechsel an. Dadurch entstehen neue Blutgefäße, die zu einer erhöhten Durchblutung führen. Die Gefäße erweitern und entzünden sich. Liegt der Knochen direkt unter der Haut, beispielsweise am Schienbein, ist die verstärkte Durchblutung als Überwärmung fühlbar. Durch die unkontrollierte Knochenbildung bei Morbus Paget können auch Nerven geschädigt werden. Sind Nerven im Bereich des Schädelknochens betroffen, kann es zu einer Schwerhörigkeit kommen. Die übermäßige Ausscheidung von Calcium kann zu Nierensteinen führen. Die vermehrte Knochendurchblutung begünstigt eine Herzinsuffizienz. Durch die übermäßige Teilungsaktivität der Knochenzellen kommt es in etwa 1% der Fälle zur Entwicklung eines bösartigen Knochentumors (Osteosarkom). Befallen werden vor allem Becken-, Oberschenkel- und Oberarmknochen. Die betroffenen Patienten bemerken, dass sich die Beschwerden plötzlich verschlimmern und die Deformation des Knochens zunimmt. Im Blut lässt sich ein Anstieg der alkalischen Phosphatase (ein Leberenzym) nachweisen. Wenn derartige Komplikationen vermutet werden, ist eine Computertomografie oder Kernspintomografie sinnvoll.

 

Osteomalazie

Die Osteomalazie ist eine Störung des Knochenstoffwechsels, die zu einer Demineralisation und damit Erweichung der Knochen führt. Dabei ist die Mineralisierung des Knochens gestört, während die Knochengrundsubstanz ungestört bleibt. Meistens geht die Erkrankung auf einen Vitamin-D-Mangel, seltener auf eine Störung des Phosphatstoffwechsels zurück. Bei Kindern bezeichnet man dieses Krankheitsbild als Rachitis. Sie führt zu Fehlbildungen, Verformungen der Wirbelsäule und Beinknochen, geringer Muskelkraft und unzureichender Zahnbildung. Sie ist dank der routinemäßigen Vitamin-D-Prophylaxe im 1. Lebensjahr selten geworden.

Beim Erwachsenen äußert sich eine Osteomalazie vergleichsweise uncharakteristisch durch undefinierbare Knochenschmerzen, Muskelschwäche sowie Knochenerweichungen und -verformungen, besonders im Brustbereich, Hüftbereich und Kniegelenk. Die Osteomalazie entsteht meist durch eine mangelnde Versorgung durch Calcium und Phosphate. Diese Nährstoffe werden benötigt, um starke Knochen zu bilden. Um Calcium zu verarbeiten, wird Vitamin D benötigt. Vitamin D wird vom Körper gebildet, wenn Sonnenlicht auf die Haut trifft. So kann Osteomalazie bei Menschen auftreten, die keine oder nur wenig Zeit im Sonnenlicht verbringen, oder in Gegenden leben, in denen die Sonnenscheindauer kurz ist. Sie tritt in Deutschland vor allem bei älteren Menschen auf (etwa die Hälfte der Senioren hat einen latenten Vitamin-D-Mangel) als Folge von chronischen Nierenfunktionsstörungen, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (wie z.B. Colitis ulcerosa), bei Leberzirrhose oder der Einnahme bestimmter Medikamente, wie z.B. Antiepileptika. Da die Osteomalazie bei älteren Menschen oft von einer Osteoporose begleitet wird, muss auch diese ausreichend behandelt werden.

Daher sind eine laborchemische Abklärung sowie eine Röntgenuntersuchung erforderlich, um rechtzeitig eine gezielte Therapie einzuleiten. Um die Diagnose zu sichern, wird in machen Fällen zusätzlich eine Probe aus dem Knochengewebe (Biopsie) entnommen.

 

Renale Osteopathie

Bei der renalen Osteopathie handelt es sich um eine Knochenveränderung (Osteomalazie), die durch eine chronische Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) infolge eines sekundären Hyperparathyreoidismus bedingt ist. Ursache sind Störungen im Calcium- und Phosphathaushalt und im Hormonhaushalt (erhöhtes Parathormon). Die zentrale Ursache scheint dabei der reduzierte Vitamin-D-Stoffwechsel zu sein. Die renale Osteopathie geht mit Knochen- und Gelenkschmerzen, erhöhter Knochenbrüchigkeit sowie Muskelschwäche einher. Zusammen mit den Knochenproblemen resultiert eine Arteriosklerose (Arterienverkalkung) mit hohem Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Tod. Daher ist neben einer Labordiagnostik häufig die Entnahme einer kleinen Probe aus dem Beckenknochen (Knochenbiopsie) erforderlich, um rechtzeitig eine Therapie der renalen Osteopathie einzuleiten. Ab dem 50. Lebensjahr steigt die Häufigkeit für die chronische Niereninsuffizienz und damit auch für die renale Osteopathie kontinuierlich an.

 

Schwangerschaftsosteoporose

Es handelt sich um eine seltene Erkrankung, die nur wenige Frauen betrifft. Sie tritt am Ende einer Schwangerschaft beziehungsweise in den ersten Monaten nach der Geburt ein und geht mit deutlichen Schmerzen in der Brust- und Lendenwirbelsäule und im Becken- und Hüftbereich einher. Die Gründe für eine Schwangerschaftsosteoporose sind bis heute ungeklärt. Es kommt zu einem übermäßigen Knochenmasseverlust, welcher zu Wirbelbrüchen führen kann. Zumeist tritt dies in der ersten Schwangerschaft auf. 

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